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Althochdeutsches Wörterbuch Bibliographische AngabenLogo SAW
Band 1, Lfg. 1 (1951)
Band 1, Lfg. 20 (1967)
Band 2, Lfg. 1 (1969)
Band 2, Lfg. 11 (1996)
Band 3, Lfg. 1 (1970)
Band 3, Lfg. 18 (1983)
Band 4, Lfg.1 (1986)
Band 4, Lfg. 24 (2001)
Band 5, Lfg. 1 (2001)
Band 5, Lfg. 11 (2007)
Band 5, Lfg. 18 (2009)
Band 6, Lfg. 1 (2009)
Band 6, Lfg. 18 (2015)
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VORWORT

ZU DEN ERSTEN LIEFERUNGEN

Das Althochdeutsche Wörterbuch fußt auf dem von Elias von Steinmeyer gesammelten Material und hat nach dem Plan seines Begründers eine doppelte Aufgabe. Einmal ist es gedacht als Index zu der fünfbändigen Steinmeyer-Sievers’schen Ausgabe der Althochdeutschen Glossen und den Kleineren Althochdeutschen Sprachdenkmälern, die beide dadurch erst der wissenschaftlichen Bearbeitung voll erschlossen werden sollen, zum andern soll es den gesamten, in althochdeutschen Texten und Glossaren überlieferten Wortschatz, nach seiner formalen wie seiner bedeutungsmäßigen Seite hin untersucht und bestimmt und in seinen Belegen vollständig erfaßt, für die Forschung bereitstellen.

 Unter Althochdeutsch ist im allgemeinen die Zeit von 750 — 1050, literarisch gesehen vom Abrogans bis zu Williram, verstanden. Als Index zu den Glossen und den Kleineren Althochdeutschen Sprachdenkmälern aber mußte nicht nur die Fülle mittelhochdeutscher Wortformen und Wörter in späten Handschriften älterer Glossare und Texte, sondern auch altsächsisches und altenglisches Wortgut mit aufgenommen werden. Es ist durch Einklammerung als nicht althochdeutsch gekennzeichnet und, soweit es sich um Altsächsisches handelt, auf die parallele Ausgabe in Wadsteins Altsächsischen Sprachdenkmälern bezogen. Da auf diese Weise ein großer Teil dieser Ausgabe bereits in das Althochdeutsche Wörterbuch eingegangen war, haben wir ergänzend auch den von Steinmeyer nicht aufgenommenen Rest rein niederdeutscher Quellen sowie den Wortschatz der von Kleczkowski 1923 herausgegebenen Altsächsischen Psalmenfragmente mit bearbeitet. Das Althochdeutsche Wörterbuch wird also in Verbindung mit dem Heliand-Wörterbuch von Sehrt einen Überblick über den gesamten altdeutschen Sprachschatz (hochdeutsch und niederdeutsch) gewähren. Vorläufig nicht berücksichtigt sind die in den lateinischen Quellen jener Zeit (Urkunden, Chroniken, Viten usw.) vorkommenden althochdeutschen Wörter. Steinmeyer hat nur Ansätze zu ihrer Verzettelung hinterlassen und unsere eigenen Bemühungen, sie fortzusetzen und systematisch auszubauen, sind durch den Krieg und den dadurch bedingten Verlust unserer meisten Mitarbeiter vorzeitig ins Stocken geraten. Es besteht jedoch Aussicht, daß sie in Verbindung mit den Vorarbeiten zum Mittellateinischen Wörterbuch in München neu aufgenommen und in absehbarer Zeit zu Ende geführt werden können. Dem Althochdeutschen Wörterbuch soll dann ein Ergänzungsband mit den deutschen Wörtern in lateinischen Quellen beigefügt werden. Er wird auch die in althochdeutschen Texten und Glossen vorkommenden Eigennamen enthalten, auf die im Wörterbuch selbst nur verwiesen wird. Vorbereitet ist ferner ein lateinisch-althochdeutscher Index zum gesamten althochdeutschen Wortschatz, der ebenfalls in einem Anhangsband veröffentlicht werden soll.

 Die Ansätze des Althochdeutschen Wörterbuchs sind, soweit es sich um deutbare Wörter handelt, normalisiert. Maßgebend hierfür war die Sprache des Tatian (vgl. auch Braunes Althochdeutsche

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Grammatik und sein Lesebuch), für die altsächsischen und altenglischen Einsprengsel der Gebrauch der betreffenden Wörterbücher (Heliand-Wörterbuch von Sehrt, Bosworth-Toller), für das Mittelhochdeutsche das Lexer’sche Handwörterbuch. Die Anordnung ist alphabetisch. Einige Abweichungen vom Neuhochdeutschen ergeben sich aus Besonderheiten der althochdeutschen Orthographie, die uu- für w-, c für k ( -ck- = -kk- ) vorschreibt, oder des ostfränkischen Lautstandes der normalisierten Stichwörter. So ist einerseits anlautend th- unter d- eingeordnet, und sind andrerseits die anlautenden Konsonantverbindungen hl-, hn-, hr-, hw- zwar noch geschrieben, aber wie l-, n-, r-, w- behandelt. Formen, die sich nicht lautgesetzlich aus dem fränkischen Ansatz ableiten lassen, wie etwa apanstun für âbandstern (vgl. Sp. 8), sind so wie die Hss. sie überliefern, im Alphabet eingereiht unter Verweis auf ihr Stichwort. Der regelmäßige Wechsel b:p, d:t, g:k, au:ou, ea:ia:ie usw., das Fehlen des Umlautes und anderes ist dagegen nicht besonders verzeichnet. Präfixkomposita der Verben, auch ihre losere Verbindung mit Ortsadverbien wie thara, hera, hina usw., folgen dem Grundwort. Das gleiche gilt von den postverbalen oder mit gi- verbundenen Substantiven, die den Ton auf der Stammsilbe tragen. So ist z. B. gi-bírgi unter -birgi, aber ána-gin unter ana-, fir-teílunga unter -teilunga, fórasago unter fora- zu suchen. Um aber eine rasche und vollständige Übersicht über alle mit Präfixen verbundenen Wörter zu ermöglichen, sind auch die unter dem Grundwort bearbeiteten an der ihrem Anlaut entsprechenden Stelle des Alphabets als Verweis aufgeführt.

 Dem Stichwort und seiner grammatischen Bestimmung sind seine Entsprechungen in den übrigen germanischen Sprachen bis zurück zum Gotischen, sowie die jüngeren Formen des Mittelhochdeutschen und Neuhochdeutschen beigefügt. Auch die heutigen Mundarten wurden in besonderen Fällen, vor allem bei Wörtern, die die Schriftsprache nicht mehr kennt, herangezogen. Geschöpft sind alle diese Vergleiche aus den entsprechenden Wörterbüchern, so daß das Bild, das sie von der Verbreitung und dem Weiterleben der einzelnen Wörter geben, nur relativen Wert besitzt. Sicherlich ließe sich, etwa durch Heranziehen der modernen skandinavischen oder englischen Mundarten, noch manche Gemeinsamkeit aufdecken, doch lag das außerhalb unserer Aufgabe und muß der Einzelforschung überlassen bleiben. Bei Lehnwörtern wird angegeben, welcher Sprache, in der Regel lateinisch oder mittellateinisch, sie entnommen sind; dabei ist die Kennzeichnung ‘ mittellateinisch’ summarisch gemeint und will nur besagen, daß ein Wort oder eine Wortbedeutung der vorchristlichen Latinität des Altertums nicht geläufig war. Sie ist also keine Herkunftsbezeichnung im strengen wortgeschichtlichen Sinne, die bei dem derzeitigen Stande der lexikographischen Hilfsmittel für mittelalterliches Latein in manchen Fällen nicht möglich ist. Die Scheidung in Spätlatein, Kirchenlatein und mittelalterliches Latein ist Aufgabe der lateinischen Wortforschung.

 Den ersten Hauptteil eines jeden Wörterbuchartikels bildet eine Zusammenstellung sämtlicher tatsächlich belegter Formen. Als besondere Formen gelten dabei in der Regel nur solche, bei denen wirklich lautliche Unterschiede vorliegen oder vorliegen können, oder denen, wie z. B. der Doppelschreibung von Vokalen zur Bezeichnung der Länge, entscheidende Bedeutung für die Grammatik zukommt. Rein orthographische Abweichungen dagegen, wie z. B. der Wechsel zwischen u und v, c und k, sind nur ergänzend in Klammer vermerkt, es sei denn, daß bei sehr umfangreichem Material die Übersichtlichkeit eine weitere Aufteilung fordert. Auch Ligaturen, deren Auflösung lautlich eindeutig ist, Geheimschrift, soweit sie zur Erklärung von Verschreibungen und Verstümmelungen dient, und die Notker’schen Längebezeichnungen sind in Klammern beigefügt. Das Material ist so angeordnet, daß man von den am weitesten in der Lautverschiebung fortgeschrittenen Formen zu den unverschobenen und von den altertümlichsten zu den jüngsten absteigt. Man bekommt dadurch eine von

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Süden nach Norden fortschreitende geographische Gliederung und zugleich einen Überblick über die vom 8./9. zum 11./12., ja gelegentlich bis zum 13./14. Jahrhundert sich vollziehende sprachliche Entwicklung. Innerhalb der einzelnen Formgruppen gilt dann das von Graff angewandte Prinzip der Einteilung nach Maßgabe des grammatischen Systems (angelehnt an die Paradigmen der Braune’ schen Grammatik). Die einzelnen Beleg stellen werden nach der Zeile angeführt, auf der das betreffende Wort, bei den Glossen sein erster Beleg, steht. Die Aufzählung beginnt mit den Glossen und den Kleineren Althochdeutschen (und Altsächsischen) Sprachdenkmälern als denjenigen Veröffentlichungen, die Texte und Handschriften aus allen Jahrhunderten der althochdeutschen Zeit enthalten. Ihnen schließen sich dann die größeren Denkmäler, für die eigene Ausgaben vorliegen, in historischer Abfolge vom Isidor bis zu Williram an. Grundsatz ist Vollständigkeit der Belege. Nur bei den Kleinwörtern, deren erdrückende Fülle jeden Rahmen sprengt, waren wir zu zusammenfassenden Berichten gezwungen und mußten bei feststehenden Formen, wie etwa dem unflektierten al, der Präposition in, dem Artikel, den Pronomina usw., davon absehen, sämtliche Stellen anzuführen. Unter den Glossen sind die des 8. und 9. Jahrhunderts besonders hervorgehoben durch Angabe der Handschrift und der Zeit ihrer Niederschrift oder durch Beifügung der geläufigen, allgemein bekannten Graff’schen Sigel (z. B. Ja, R, Ra, Pa usw.). Auf diese Weise sollte der älteste Wortbestand leicht kenntlich gemacht werden. (Wir möchten aber ausdrücklich betonen, daß die Zeitangabe nur für die Hss. gilt und über die Entstehung des betreffenden Glossars nichts aussagt.) Sonst werden Glossenhandschriften nur angeführt, wenn es sich um ungewöhnliche, grammatisch irgendwie auffallende oder um einmalige Formen handelt, oder wenn dadurch auf Verbreitung oder Aufkommen eines Wortes oder einer Form Licht fällt. Diesem Zweck dienen z. B. auch die Sigel der großen Glossenfamilien, der Monseer Glossen M (im weitesten Sinne das Steinmeyer’sche M, vgl. Gl 5,408 ff., und das ihm nahe verwandte S, ebda. 110, zusammenfassend), des Summarium Heinrici SH und der Glossae Salomonis Sal. Eine besondere Schwierigkeit war für Notkers Psalmenübersetzung zu lösen, da hier der Glossator und der Wiener Notker als selbständig zu berücksichtigen waren. Um das gemeinsame Gut scharf von dem Sonderbesitz der einzelnen abzuheben, wurde zunächst das, worin Notker und der Bearbeiter der Wiener Handschrift (NpNpw) oder dieser und der Glossator (NpglNpw) übereinstimmen, vorangestellt — eine dreifach übereinstimmende Bezeugung kommt nur bei Kleinwörtern, und auch da nur selten, vor —, dann das Sondergut in der Reihenfolge Np:Npgl:Npw. Damit der künftigen, von Sehrt-Starck vorbereiteten Neuausgabe nicht vorgegriffen werde, sind die Psalmen nach Nummer und Vers zitiert, während Notker sonst nach Seite und Zeile zitiert wird (für den Boȵthius und den Marcianus Capella sind die Ziffern der neuen Ausgabe denen der alten Piper’schen in Klammern beigefügt). Für Willirams Hohes Lied konnten die Lesarten der Handschriften, die bei Seemüller nur in sehr beschränktem Umfang verzeichnet sind, vollständig nur dann berücksichtigt werden, wenn besondere Ausgaben für sie vorlagen oder eigene Kollationen, wie für die Stuttgarter und die Trierer Handschrift, möglich waren. Die von Marie-Luise Dittrich zu erwartende neue Ausgabe wird hoffentlich mit ihrem vollständigen Apparat diese Lücke bald zu füllen gestatten.

 Für die Darstellung der Bedeutung gilt die gleiche Anordnung der Belege und Art der Stellenangabe (diese auch für die lateinischen Grundlagen der Glossen) wie für den Formenstand. Belege, die über Steinmeyer hinaus den Altsächsischen Sprachdenkmälern und Psalmenfragmenten entnommen worden sind, sind ebenfalls in Klammer gesetzt. Der Grundsatz der Vollständigkeit ist hier auch bei den Kleinwörtern durchgeführt. Das Ziel, das uns in diesem zweiten Hauptteil vorgeschwebt hat, war, das einzelne Wort nicht als tote Vokabel in stereotyper Übersetzung wiederzugeben, sondern

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es so weit als irgend möglich in den lebendigen Sinnzusammenhang, aus dem heraus es seinerzeit gesprochen oder gedacht worden ist, hineinzustellen. Nur so können unsre Wörter die in der Sprache sich vollziehende geistige und kulturelle Umgestaltung und Entwicklung erkennen lassen. Diese Forderung gilt nicht nur für die zusammenhängenden Texte, sondern ebenso für die Welt der Glossen. Sie sind, wie die Mehrzahl unsrer althochdeutschen Texte, Übersetzungen, Zeugen des Ringens germanischer Sinngehalte mit der Kultur der Antike und dem Christentum. Für ihre Deutung ist das Lateinische von gleicher Wichtigkeit wie das ihnen vom Germanischen her zugewiesene Wortfeld. Erst am Vergleich läßt sich erkennen, wie unter dem Zwang des Fremden Neues entsteht, wie der überkommene Bestand eigenen Wortgutes sich wandelt und weitet, wie die Sprache biegsam und beweglich wird und sich mit dem Reichtum ihrer Vorsilben, mit ihren Kleinwörtchen, den Adverbien, den Präpositionen und Konjunktionen der entwickelteren lateinischen Syntax anzupassen lernt. Deshalb sind nicht einfach lateinische Lemmata angegeben, sondern ist jeder Glosse, deren Quelle bekannt ist, der ihr zugehörige Text, so weit es für ein volles Verständnis erforderlich schien, in eckiger Klammer beigefügt worden. Das Lemma ist ausgespart und, wie allgemein, durch Sperrdruck ausgezeichnet. Auf diese Weise lassen sich auch ohne gesonderte Zusammenstellung die lateinischen Wörter, die das althochdeutsche Wort wiedergeben kann, mühelos übersehen.

 Grundsätzlich haben wir uns bei der Wahl der lateinischen Texte zunächst an die von Steinmeyer benützten Ausgaben, die uns in der Universitätsbibliothek Leipzig nahezu vollzählig zur Verfügung standen, gehalten und die von ihm gebrauchten Abkürzungen dafür verwendet. Wir glaubten damit nicht nur unsrer Aufgabe zu entsprechen, Index zu den Glossen zu sein, sondern es gewährte uns auch den Vorteil, daß seine genaue Bezeichnung der betreffenden Fundstelle uns des zeitraubenden und ohne Einsicht in die Handschrift oft aussichtslosen Suchens und Umschreibens enthob. Da aber Steinmeyers Texte heute vielfach veraltet und zum Teil kaum mehr zu beschaffen sind, haben wir uns, um den Forderungen einer strengen Philologie zu genügen und der Möglichkeit des kritischen Nachprüfens eine breitere Basis zu geben, zuletzt doch entschlossen, die nicht mehr befriedigenden und schwer zugänglichen Ausgaben durch die heute maßgebenden zu ersetzen, sofern das ohne Schwierigkeit geschehen konnte, wie etwa bei stichischen Gedichten (z. B. Juvencus, Sedulius, Prudentius usw.) oder bei in Kapitel und Abschnitte eingeteilter Prosa. Alle derartigen Abweichungen sind im Quellenverzeichnis ausdrücklich vermerkt. Mußte aus den oben angegebenen Gründen eine veraltete Ausgabe beibehalten werden, so ist in der Klammer die neue gängige als Ersatz angegeben worden.

 Ein paar Bemerkungen zum rein Technischen. Auslassungen im Wortlaut der Texte sind durch drei, Lücken in den Handschriften durch zwei Punkte gekennzeichnet. Wörter, die nur einmal oder in einer einzigen Form belegt sind, werden in der Darstellung der Bedeutung abgekürzt und sind aus dem Formenverzeichnis zu ergänzen, vgl. etwa Sp. 18 unter ablâzi: a. duat usw. Handschriftliche Zusätze zum lateinischen Lemma (Interpretamente) sind in runde Klammer gesetzt, ebenso zum Verständnis des Textes eingefügte Bemerkungen des Bearbeiters. Der Wortlaut des Notker’schen Glossators, in der Ausgabe interlinear gedruckt, folgt dem Latein des Sangallensis ebenfalls in runden Klammern, bei einmaligen Formen abgekürzt, vgl. z. B. Sp. 15 idolatriam (a.) uobton, a. = abkotdienist. Lateinische Lemmata und für das Verständnis angeführte Textstellen sind orthographisch normalisiert ( u für v, ae für e,  der Femininendungen u. ä.); sind sie wie das Althochdeutsche als Text gedruckt, so folgen sie genau wie dieses der Schreibweise der Ausgabe. Akzente sind jedoch im Althochdeutschen nur dann gesetzt worden, wenn dadurch Mißverständnisse (wie etwa zwischen âne und ane, âhten und ahten ) vermieden werden sollten.

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 Den einzelnen Artikeln folgt eine Zusammenstellung der Komposita, deren zweites Glied das betreffende Wort ist, und seiner Ableitungen. Daran schließen sich noch Angaben über weitere, das Wort erläuternde Literatur. Vollständigkeit ist hier nicht erreicht, konnte nicht einmal angestrebt werden. Denn zu einem systematischen Ablesen der gesamten wissenschaftlichen Literatur, das dazu nötig gewesen wäre, fehlte unter dem Zwang, bei der Übernahme des Materials 1935 sofort an die Ausarbeitung zu gehen, die Zeit. Vorarbeiten waren so gut wie keine vorhanden. Wir haben bis Anfang 1944, bis zu unsrer Übersiedlung nach Altenburg in Thüringen und der vom Bombenkrieg geforderten Sicherstellung der Leipziger Universitätsbibliothek uns bemüht, dem Mangel neben der laufenden Arbeit, soweit es in unsern Kräften stand, abzuhelfen. Die damals angelegte Kartei konnte seither nur wenig ergänzt werden. Es fehlt die Möglichkeit, das, was außerhalb Deutschlands auf unserm Gebiet gearbeitet wird, einzusehen. Durch um so sorgfältigeres Ausschöpfen des Materials selbst haben wir versucht, einen Ausgleich zu schaffen, doch sind wir uns der Lücke schmerzlich bewußt. Wir hoffen, auch sie im Nachtragsband ausfüllen zu können.

 Es ist uns ein Bedürfnis, allen denen zu danken, die unsre Arbeit am Althochdeutschen Wörterbuch mit weitgehendem Verständnis und tatkräftiger Hilfsbereitschaft begleitet haben. Unser besonderer Dank gebührt der Sächsischen Akademie der Wissenschaften, die alles getan hat, um 1945 ein Unterbrechen der Arbeit zu verhindern und sie so zu fördern, daß sie noch über den Stand hinaus, den sie vor dem Krieg hatte, sich ausbauen konnte. Das Althochdeutsche Wörterbuch durfte sich dabei auch des besonderen persönlichen Interesses und der Unterstützung des Sächsischen Ministeriums für Volksbildung und seines Herrn Ministers H. Holtzhauer erfreuen. Der Universitätsbibliothek Leipzig schulden wir Dank für jahrelanges Heimatrecht, das sie auch aufrechterhalten hat, als sie selbst durch die Schäden der Bombenangriffe in ihrem Raum sehr beengt wurde. Ohne den Rückhalt ihrer reichen Bücherschätze wäre unsre Arbeit kaum, oder nur unter großen Schwierigkeiten, durchzuführen gewesen. Wir danken auch dem Thüringischen Staatsarchiv und seinem Direktor, Professor Dr. W. Flach, der uns und unserm Material vom Januar 1944 an in den Kellern des Altenburger Schlosses Zuflucht gewährt und uns dadurch vor allem Schaden bewahrt hat. Allen, die uns mit Rat, Auskunft oder Hinweisen, durch Mitlesen der Korrekturen bei der wissenschaftlichen Arbeit geholfen haben, sei, ohne ihre Namen einzeln aufzuführen, auch hier noch einmal ausdrücklich gedankt.

 An der Ausarbeitung des Buchstabens A waren außer den beiden Herausgebern maßgebend beteiligt unsere Mitarbeiter Dr. Gertraud Müller (seit Februar 1941) und Dr. Ingeborg Schröbler (von März 1938 bis Juni 1946); an den Vorarbeiten haben mitgeholfen: Dr. Erich Aumann (am 14. Juli 1942 im Osten gefallen), Frau Suse Büchner, geb. Ries (ausgeschieden am 28. Februar 1938), Heinz Döring (ausgeschieden Ende August 1939), Dr. Helmut Ibach (ausgeschieden am 31. März 1938) und Dr. Gabriele Schieb (ausgeschieden im April 1944).

Leipzig, im Oktober 1951 Elisabeth Karg-Gasterstädt
Theodor Frings