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Althochdeutsches Wörterbuch Bibliographische AngabenLogo SAW
Band 1, Lfg. 20 (1967)
Band 2, Lfg. 1 (1969)
Band 2, Lfg. 11 (1996)
Band 3, Lfg. 1 (1970)
Band 3, Lfg. 18 (1983)
Band 4, Lfg.1 (1986)
Band 4, Lfg. 24 (2001)
Band 5, Lfg. 1 (2001)
Band 5, Lfg. 11 (2007)
Band 5, Lfg. 18 (2009)
Band 6, Lfg. 1 (2009)
Band 6, Lfg. 18 (2015)
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Vorwort zur ersten Lieferung von Band VI

Mit Beginn des VI. Bandes folgen die Datierungen der Glossenhandschriften den Angaben des Althochdeutschen und Altsächsischen Glossenkataloges von Rolf Bergmann und Stefanie Stricker, die Signaturen Steinmeyers für die Glossenhandschriften werden weitestgehend beibehalten.1 Dem Wörterbuchusus entsprechend werden nur frühalthochdeutsche oder ungewöhnliche, grammatisch auffällige Formen sowie hapax legomena datiert, und zwar mit Jahrhundertangaben. Für Quellen mit einer Sigle werden neue Datierungen bis zum Erscheinen eines aktualisierten Gesamtabkürzungsverzeichnisses stillschweigend zugrunde gelegt. Im einzelnen wird folgendermaßen verfahren: Fällt die Datierung einer Handschrift in dasselbe Jahrhundert wie die ihrer Glossen, so wird die Datierungsangabe nicht weiter spezifiziert, vgl. z. B. Eins. 32, 10. Jh. Dies ist häufig bei Glossarhandschriften der Fall. Sind die Glossen in ein anderes Jahrhundert zu datieren als die sie enthaltende handschrift, wird “Gll.” vor die Datierungsangabe gesetzt, vgl. z. B. Eins. 34, Gll. 11. Jh. Hier wird der glossierte lateinische Text der Handschrift (hier Blatt 25 bis 96) der Schrift nach ins 10. Jh. datiert, während die Glossen im 11. Jh. eingetragen wurden. Sind die Glossen nicht datierbar, wird das Jahrhundert der Handschrift als Terminus post quem herangezogen, was dann durch den Zusatz “Hs.” markiert wird, vgl. z. B. Eins. 127, Hs. 12. Jh. Enthält eine Handschrift schließlich in verschiedene Jahrhunderte zu datierende Glossen, lauten dementsprechend auch die Datierungsnachweise unterschiedlich: Die Handschrift Einsiedeln 302 beispielsweise enthält datierbare Aratorglossen auf den Seiten 28 bis 63, wohingegen die Boethiusglossen auf den Seiten 65 bis 106 sowie weitere Glossen nicht datiert werden können. Für die Aratorglossen gilt daher der Handschriftennachweis Eins. 302, Gll. 10. Jh., für die Boethiusglossen Eins. 302, Hs. 9. Jh. Unsichere Datierungen werden mit Fragezeichen versehen. Neues Material im Bereich der Glossenüberlieferung wurde vor allem von Andreas Nievergelt (Zürich) in erstmaliger oder verbesserter Lesung erschlossen. Die Editionen der Funde, unter anderem zu Schriften Isidors, Juvencus’ oder Orosius’, werden in das Material aufgenommen und in die folgenden Alphabetstrecken eingearbeitet. Nunmehr sind auch die in Beiträgen des Handbuchs zur althochdeutschen und altsächsischen Glossographie2 veröffentlichen Neulesungen und Erkenntnisse zu berücksichtigen, wie z. B. die von E. Krotz in ihrer Untersuchung des Glossars Ja neu identifizierten lateinischen Vorlagentexte.3 Dazu gehört auch eine Schrift von Primasius, einem nordafrikanischen Bischof des 6. Jhs., der bislang als unglossiert galt. Im Bereich der Textüberlieferung wird ab Band VI der Wortbestand der lateinisch-deutschen Zeitzer Beichte neu zu berücksichtigen sein, die in ein Mainzer Evangeliar des 9. Jahrhunderts eingetragen ist und lange Zeit zu Unrecht ins 13. Jahrhundert datiert wurde.4 Zu Npw, zum ersten Wessobrunner Glauben und Beichte sowie zur Predigtsammlung A und B ist die 2009 erschienene diplomatische Textausgabe des Wiener Codex 2681 aus dem bayerischen Kloster Wessobrunn um 1100 von Evelyn Scherabon Firchow5 zu vergleichen.

Dezember 2009 Hans Ulrich Schmid

1 Katalog der althochdeutschen und altsächsischen Glossenhandschriften. Bearb. von Rolf Bergmann und Stefanie Stricker. Unter Mitarbeit von Yvonne Goldammer und Claudia Wich-Reif. 6 Bde. Berlin · New York 2005.
2 Die althochdeutsche und altsächsische Glossographie. Ein Handbuch. Hrsg. von Rolf Bergmann und Stefanie Stricker. 2 Bde. Berlin · New York 2009.
3 Elke Krotz, Die Glossare Ja, Jb, Jc. In: Die althochdeutsche und altsächsische Glossographie [Anm. 2], Bd. 1, S. 790—828.
4 Brigitte Bulitta, Ein verkanntes althochdeutsches Sprachdenkmal: Die lateinisch-deutsche Beichte von Zeitz. In: Die Stiftsbibliothek und das Stiftsarchiv Zeitz. Für das Museum Schloss Moritzburg Zeitz hrsg. von Detlef Deye u. Roland Rittig. Zeitz 2006, S. 47—74.
5 Der Codex Vindobonensis 2681 aus dem bayerischen Kloster Wessobrunn um 1100. Diplomatische Textausgabe der Wiener Notker Psalmen, Cantica, Wessobrunner Predigten und katechetischen Denkmäler. Mit Konkordanzen und Wortlisten auf einer CD. Hrsg. von Evelyn Scherabon Firchow unter Mitarbeit von Richard Hotchkiss. Hildesheim · Zürich · New York 2009.